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Drei Arten von Beleidigungen

Beleidigungen begegnen uns im Schulalltag täglich. Da sie oft durch starke Emotionen ausgelöst werden, ist es nicht immer einfach, ihnen auf eine gute und weise Art und Weise zu entgegnen. Als wir dieses Thema genauer beleuchtet und beobachtet haben, sind wir auf drei Arten von Beleidigungen gestossen.

  1. Beleidigung gegen eine spezifische Person

Solche Beleidigungen entstehen aus einem verstärkten Schmerz, der im Hass endet.

Zum Vorgehen: Zuerst solltest du herausfinden, warum die Person dich hasst und/oder beleidigt. Vielleicht ist dir nicht bewusst, dass du in der Vergangenheit an deinem Kollegen schuldig geworden bist. Vielleicht empfindet dein Gegenüber etwas schlimm, das dir egal wäre. Spreche in einem geeigneten Moment unter vier Augen mit dem verfeindeten Kollegen. Falls du wirklich schuldig bist, solltest du dich dafür entschuldigen. Vielleicht kann es auch hilfreich sein, eine andere, loyale Person herbeizuziehen. Wenn du dir absolut sicher bist, dass du nicht «schuldig» bist, fällt die Anfeindung wahrscheinlich unter eine der weiteren Arten der Beleidigungen…

  1. Blitzableiter-Beleidigung

Wir bekamen im Deutschunterricht den Auftrag, eine Geschichte zu schreiben. Ein Kollege fragte mich nach meiner Note. Als ich sie ihm mitteilte, rastete er aus. Ein (abgemilderter) Auszug aus seiner Schimpftirade: «Dave, du bist so ein Streber. Geh sofort weg, du bist hier unerwünscht.» Zunächst ließ ich die Beleidigungen stehen. Doch kurze Zeit später sprach ich ihn nochmals auf die vorige Situation an: «Mit deinem Feedback kann ich nichts anfangen. Was stört dich konkret an mir?» Er zählte mir so ziemlich alles, was unter den Begriff Streber passt, auf. Kurioserweise traf diese Liste mehr auf ihn als auf mich zu. Im weiteren Verlauf des Gespräches wurde er ehrlicher, und die wirkliche Ursache seines Wutausbruchs kam zutage: «Ich schrieb 13 Stunden an meiner Geschichte, doch geriet sie trotzdem viel zu kurz. Und nun so eine schlechte Note. Es hat mich aufgeregt, dass du besser warst als ich.»

Ein Blitzableiter dient dazu, den Blitz, anstatt ins Haus, in den Boden abzuleiten. Mein Kollege hatte zwei Optionen. Entweder lässt er den Blitz bei sich einschlagen, und verurteilt sich selbst. Oder er lässt den Blitz bei jemanden anderen einschlagen, der gerade verfügbar ist. Er entschied sich für die einfachere Variante, nämlich die letztere, weil er so nichts an sich ändern musste.

Vorgehen: In einer solchen Situation rate ich dir, vorerst abzuwarten, bis sich dein Gegenüber beruhigt hat. Danach solltest du den «Täter» nochmals auf die vorige Situation ansprechen. Mache ihm klar, dass du mit seiner Art von Kritik nichts anfangen kannst, und frage, was ihn konkret an dir stört. Außerdem kann es hilfreich sein, unter vier Augen mit deinem Kollegen zu sprechen. Mache ihm klar, was die Beleidigung in dir ausgelöst hat.

  1. Beleidigungen aus Manipulation

«Du bist ein [Kraftausdruck]», beschimpfte ein genervter Kollege den anderen, weil er bei einer Materialverteilung im Musikunterricht das Instrument des Kollegen bevorzugt hätte. «Was habe ich da gehört?», erkundigte ich sich der Lehrer. «Nichts», bekam er zur Antwort. «Habe ich nicht gehört, dass du ihn [Kraftausdruck] genannt hast?», fragte der Lehrer vorwurfsvoll. «Vielleicht ein bisschen» antwortete der Kollege. Langsam wurde es ihm unangenehm. Der Lehrer schaute ihn mit seinem eindringlichen, traurigen Blick so lange an… bis der Kollege eine Entschuldigung nachschob. Spätestens jetzt fühlte er sich blossgestellt, und sein Ärger stieg. «Ich mag es nicht, wenn in meinem Schulzimmer Leute beleidigt werden», bekräftigte der Lehrer noch, bevor er mit dem Unterricht weiterfuhr.

Bei dieser Art von Beleidigungen ist der «Täter» am längeren Hebel. Er kann den anderen steuern und bestimmen, weil diesem viel an der Beziehung liegt. Mal objektiv betrachtet: Dieser Kollege will das beste Instrument für sich, auch wenn es ihm nicht zugeteilt wurde. Doch hier geht es um viel mehr! Er nutzt den konfliktscheuen Kollegen aus, weil er weiss, dass dieser befürchtet, von ihm verlassen zu werden. Er täuscht dem Kollegen vor, dass die ganze Beziehung nur an diesem einen Musikinstrument hängt.

Vielleicht hat der Kollege mit dem Gedanken gespielt: «Dann gebe ich halt nach. So überaus wichtig ist mir das grössere Instrument auch wieder nicht.»

Doch bedenke: Was wäre, wenn dieser Kollege dies bei anderen Dingen tut? Bei Alkohol? Geld? Job? Oder einer Beziehung?

Leider sind oft mental schwächere Personen von diesem Verhalten betroffen. Falls du merkst, dass du durch Beleidigungen «bestochen» oder fertig gemacht wirst, solltest du dies unbedingt deinen Eltern, einem guten Freund oder Freundin, oder einer anderen Vertrauensperson anvertrauen. Das ist keine Schande, sondern das hilft dir, aus dieser schwierigen Situation rauszukommen!

Zum (möglichen) Vorgehen: Erstens ist es wichtig, dieser Manipulationsstrategie nicht nachzugeben. Sonst hat dein Gegenüber Erfolg, und greift viel eher wieder auf seine erfolgreichen Methode zurück.

Zweitens sollte ein solches Verhalten angesprochen werden. Neben dem, dass es in einer Beziehung um viel mehr, als nur um das Befriedigen von Gefühlen der einen Seite geht, kann dies echt verletzend sein. Wenn man diese Beleidigungen einfach hinnimmt, kann es sich das Gegenüber zur Gewohnheit machen, dich «der Beziehung zuliebe», ausnutzen…

Achtung! Die in diesem Artikel beschriebenen Wege sind keine pauschalen Rezepte! Sie sollen zur Anregung dienen, in solchen Situationen überlegt zu handeln, und eigene Lösungen (vielleicht mit einem guten Freund?) zu erarbeiten.

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