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Vom Denker zum Fühler

In der Schule schauten wir einen Film über die Schöpfung. Unvermittelt bemerkte ein Kollege: «Stimmt, du glaubst ja an die Schöpfung.» Dann begann er: «Ich respektiere deinen Glauben, aber…» Er brach den Satz ab. Ich hörte ihn einem anderen Kollegen ins Ohr flüstern: «Ich muss aufpassen, was ich jetzt sage!»

«Ich respektiere deinen Glauben, aber wegen [X] und [Y] kann ich nicht an Gott glauben», hätte er vielleicht gesagt. Doch was hindert ihn daran, seine Zweifel an meinem Glauben auszusprechen? Weil es in unserer Gesellschaft ein No-Go ist, eine grundlegende Überzeugung eines anderen in Frage zu stellen oder sogar zu kritisieren. Tut es jemand trotzdem, wird er als intolerant, asozial oder als engstirnig eingestuft. Der Bereich des Glaubens ist privat und deshalb eine Frage der persönlichen Präferenz.

Da die Gefühle die einzige und höchste Instanz sind, definiert man sich ständig neu. Die Verfassung bestimmt den augenblicklichen Standpunkt. Dabei kann die Meinung von heute problemlos von der Gestrigen abweichen. Hauptsache, man fühlt sich dabei gut. Die Lösung zu kontroversen Gesprächen? «Für dich stimmt deine Meinung, aber für mich meine.»

Die traurige, aber logische Konsequenz davon ist, dass über gewisse Themen nicht mehr diskutiert wird. Denn stellt man den Standpunkt des anderen in Frage, stellt man dadurch die Gefühle, also den Menschen selber in Frage. Die Diskussionen werden nicht mehr als Anregung geschätzt, sondern jede Meinung muss respektiert und als gleichermassen «richtig» angesehen werden. Schade.

Im Buch «Die Akte Jillian» von Randy Alcorn schreibt ein Diener des Gegenspielers:

«Liebe deinen Nächsten interpretieren christliche Schüler, dass sie nie etwas sagen dürfen, was dem andern missfallen könnte. […] Das nennt man Toleranz, aber es ist nur Feigheit. […] Wenn die Schädlinge (= die Menschen) wissen, dass ein Meter aus 100 Zentimeter besteht, können sie alles daran messen. Doch wir haben diese Regel aufgehoben. Jetzt ist es, als würden sie sagen: für mich entspricht 64.5 Zentimeter. Und für mich mag es 73.4 Zentimeter lang sein. Wir haben die Basis für das objektive Mass. Es gibt keine absolute Wahrheit mehr.»

Paulus widerspricht dem aber, wenn er schreibt: «Strebe eifrig danach, dich Gott als bewährt zu erweisen, als einen Arbeiter, der sich nicht zu schämen braucht, der das Wort der Wahrheit recht teilt.» (2. Timotheus 2,15) Offenbar gibt es doch ein «Richtig» und ein «Falsch»…

Es ist Zeit, für eine Wiederbelebung der aufbauenden, positiven Diskussionen im Klassenzimmer. Es ist Zeit, dass 100, 100 Zentimeter sind und bleiben!

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