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Unbewusst angepasst

Wieder einmal schlief ich in der Schulstunde beinahe ein. Wieso sind Schüler einem solch leidenschaftslosen Lehrer ausgesetzt, der denselben Stoff, den wir gerade behandeln (was machen wir eigentlich?) schon vor 20 Jahren seinen leidgeprüften Schülern vorgesetzt hat. Niemand hört zu. Der Lehrer hat es aufgegeben, uns Schülern die Geräte zu verbieten. Hauptsache, wir stören den Unterricht nicht. Dass meine Kameraden gamen, kann ich ihnen nicht verübeln. Am liebsten würde ich mich auch ablenken. Eigentlich sollte ich zuhören. In der letzten Prüfung habe ich nicht geglänzt. Doch wird dieser Stoff überhaupt geprüft? Der Lehrer plappert Dinge, die dafür prädestiniert scheinen, in ein paar Minuten wieder vergessen zu sein. Wieso sollte man auch aufpassen? Keinem Schüler wird dieses Thema jemals wieder begegnen…

Ich konnte zusammen mit meinen Kollegen endlos über diesen bestimmten Lehrer schimpfen. Unser Gezeter machte alten Weibern Konkurrenz. Doch änderte sich unsere Situation dabei? Nein! Anstatt nach Alternativen Ausschau zu halten, verhielt ich mich wie alle andern, und ergab mich der Situation.

Dieser Text ist in der «Opfersprache» geschrieben. Ich bin das Opfer, und dem Lehrer hilflos ausgeliefert. Ich gebe meinem Lehrer 100 Prozent Verfügungsgewalt. Ich habe mich in diesem Punkt meinen Kollegen angepasst.

Wie könnte das anders aussehen? Vielleicht so: Ich bin nicht mehr das Opfer, sondern der Autor und Gestalter meines Lebens. Der Gestalter schaut auf den Freiraum, den er verändern kann.
1. Fokus: Auf was schaue ich? Auf meinen Einflussbereich? Oder auf das, was ich nicht ändern kann?
2. Bewertung: Wie beurteile ich die Situation? Verachtung ist der Anfang der Opferhaltung. Anstatt: «Sein Unterricht ist blöd» kann ich mich fragen: «Was heisst es konkret in dieser Situation vor Gott zu leben?»
3. Mein nächster Schritt: Welcher (realistische) Schritt ist angesagt? Wie kann ich auf diese Situation unter Berücksichtigung meiner Persönlichkeit, die von Jesus umgestaltet wird, reagieren?

Ich kann nicht erwarten, dass sich der Lehrer spontan ändert. Ich habe begriffen: Der Ball liegt bei mir.

Was gibt es nun für Möglichkeiten? Den Lehrer offen mit der Lage konfrontieren? Oder den Lernstoff persönlich oder zuhause aufarbeiten?

Wir haben erneut Personen um Rat gefragt.

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