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#1: Meine Kritik am Schulsystem

Die Aufgabe der Schule ist es, die Jugend auf das Leben vorzubereiten. Doch tut sie das wirklich? Oder trainieren sich Kinder und Jugendliche in ihrer Schulzeit genau das ab, was sie in ihrem späteren Leben so dringend brauchen würden?

In meinen Augen birgt das Schulsystem viele Probleme in sich. Das erste davon ist, dass Schüler nur trockene Theorie, aber nur wenig in der Praxis lernen. Die Theorie gehört fraglos dazu, aber sie ist nur der erste Teil. So lösen wir beispielsweise während unserer ganzen Schullaufbahn Mathe-Aufgaben. Doch niemand weiss, wo und wie man sie wirklich anwendet. Schüler sehen den Sinn dafür nicht ein, irgendwelche stupide Zahlen auswendig zu lernen oder stundenlang über 20 Jahre alte Reportagen zu sprechen. Man lernt Dinge, die schnell wieder vergessen werden, und den Schülern nie wieder begegnen werden.

Was ein Jugendlicher aus seiner Schulzeit mitnimmt, sind schlechte Lernstrategien. Man lernt einen Abend vor der Prüfung alle Vokabeln, Zahlen und Sätze auswendig. Das Resultat? Der gesamte Schulstoff gelangt nur ins Kurzzeitgedächtnis und man vergisst das Ganze schnell wieder. Ist es ein Wunder, dass Schüler zwei Jahre nach dem Abi durchschnittlich noch 10% vom Gelernten beherrschen?

In der Schule gilt Lernen als doof. Wenn man lernt, dann nur unter Druck, vor einer Prüfung, und so wenig wie möglich. Wenn sich einer aber seriös auf eine Prüfung vorbereitet hat, und daraus resultierend eine gute Note bekommt, wird er sofort belächelt und als «Streber» bezeichnet. Ich behaupte, dass genau an diesem Mechanismus viele Talente verloren gehen. Schade!

Und noch etwas zu den Lehrern: Lehrer haben (fast) keine Konkurrenz. Sind sie mal gewählt haben sie einen Job auf Jahrzehnte hinaus auf sicher. Deshalb können sie sich (beinahe) alles erlauben. Böse gesagt: Viele Lehrer wählen ihren Job nur, weil sie damit viel Kohle verdienen, verhältnismässig wenig arbeiten müssen, und doppelt so viel Urlaub wie andere Erwachsene geniessen können. Wenn es um die lange Ferienzeit der Lehrer geht, fällt meistens die übliche Ausrede: dass sie genauso viel Ferien wie andere haben, und den Rest für Vorbereitung nutzen. Dass mag sicherlich für einzelne Lehrer zutreffen, doch das sind Ausnahmen. In Wirklichkeit haben sich viele Lehrer am Anfang ihrer Dienstzeit ihr Material bereitgestellt, und benutzen es die nächsten 30 Jahre, bis zu ihrer Pensionierung. Die haargenau gleichen Arbeitsblätter bekommen Schüler aus verschiedenen Generationen zu Augen, und die Theorie wird Jahr für Jahr mit den exakt gleichen Worten erklärt. Daraus ergibt sich eine solche Monotonie, dass es für den Schüler schwierig ist, motiviert zu bleiben, zumal es der Lehrer selber nicht ist. Doch das ist nicht alles! Es ist kein Platz für Diskussionen da, weil dadurch neue Aspekte an die Oberfläche kommen, die den Lehrer aus dem gewohnten Trott bringen. Jede Diskussion, die sich nicht in ihren Notizen vorfindet, wird schlagartig unterbunden. Wieso keine Variation? Wäre es nicht auch für den Lehrer interessanter, wieder einmal neue Arbeitsblätter zu erstellen? Oder zu versuchen, auf dem aktuellen Stand zu bleiben? Ich habe die Erfahrung gemacht, dass Lehrer oft ebenso faul wie Schüler sind, wenn es darum geht, dass sie etwas ändern oder einen Zusatzaufwand erbringen müssen.

Die Aussage «Wenn [dieses Thema] gleichgeblieben ist wie vor 20 Jahren, dann gilt das immer noch. Ich bin mir aber nicht ganz sicher, ob das nicht überholt wurde» höre ich in der Schule oft. Das eigene Unwissen zuzugeben, ist zwar transparent und ehrlich, aber wenn dies zum Standartsatz auf jede Frage hin gebraucht wird, muss man sich überlegen, ob dem Lehrer nicht eine Auffrischung guttun würde.
Wo ist das ehrliche Interesse an den Schülern? Und wieso traut sich niemand, den Lehrer anzusprechen, und mit dem nötigen Respekt Kritik zu üben? Ich glaube, wir haben viel zu wenig richtige Pädagogen, die mit Leidenschaft unterrichten, und Interesse an den Schülern zeigen. Kein Wunder sehnen die Lehrer (gleich wie die Schüler) die Pausenglocke herbei.

Und Achtung: Ich möchte hier nicht alle Lehrer über einen Kamm scheren. Ich habe manche sehr vorbildliche, wirklich engagiert Lehrer erlebt, für die dies oben erwähnte keinesfalls zutrifft. Doch ich als Schüler beobachte eine starke Tendenz in diese Richtung.

Zum Schluss möchte ich noch anmerken: Es ist einfacher, die Schuld auf das gesamte Schulsystem zu schieben, anstatt das wirkliche Problem, nämlich das sündige Herz sowohl des Lehrers als auch des Schülers, zu betrachten. Wir werden nie eine sündlose Welt sehen, bis Jesus wieder zurückgekommen ist. Aber wir können versuchen, die Dornen als Konsequenz des Sündenfalls zumindest teilweise zu beseitigen.

P.S. Im nächsten Artikel geht es um ein paar Lösungsansätze.

2 Comments

  1. Jörn

    Ich lese seit einiger Zeit Euren Blog. Danke für die spannende Einblicke in Eure Gedanken!

    Ich stimme bei den schlechten Lernstrategien und der Einstellung der Lehrer zu.

    Aber ich hätte doch mal ein paar Fragen:
    – Was ist Deiner Meinung nach „Theorie“ in Abgrenzung zu „Praxis“? Ist Mathe-Aufgaben-Rechnen nicht auch eine Praxis, d.h. ein Praktizieren?
    – Wenn man in Mathe (nur als Bespiel) immer sagen oder zeigen würde, „wo und wie man sie [die Aufgaben] wirklich [im spätere
    Leben, ist das gemeint?!] anwendet“, wäre das dann Deiner Meinung nach sinnvolles Lernen? Oder sollten wir ganz andere Sachen/Inhalte lernen?

    Vielleicht sind ja im nächsten Artikel schon ein paar Fragen davon beantwortet. Ich warte gerne darauf. 🙂

    • Dave Schild

      Lieber Jörn
      Danke für deine Fragen. Gut, dass du nach einer Konkretisierung fragst🙂
      Zuerst einmal: mit Mathe-Aufgaben bezog ich mich nicht auf Grundlagen wie Addition oder Multiplikation, sondern zum Beispiel auf Differenzialrechnungen, die im Alltag eines „normalen“ Menschen, der nicht gerade Mathematik oder Physik studieren wird, höchstwahrscheinlich nicht mehr vorkommen wird. Für einen Schüler kann das sehr demotivierend sein, wenn er genau weiss, dass er diese bestimmte Art von Rechnung nie mehr gebrauchen wird, weil er sich für einen andern Job entscheiden wird. Wenn er den Nutzen nicht einsieht, wird er es schnell wieder vergessen.

      Die „Theorie“ lernt man in der Schule, im Studium kommt dann die (kompliziertere) Anwendung. Doch was ist mit denen, für die der Theorieteil sozusagen umsonst war, weil er bei ihnen nie zur Anwendung kommt? Ich denke, England hat dieses Problem besser gelöst: die Schüler dort müssen viel früher entscheiden, in welche berufliche Richtung sie gehen wollen. Dadurch lassen sich dann gezielt Schwerpunkte setzen. (Natürlich bringt das auch seine Nachteile für die Unentschlossenen.)

      Also die „kompliziertere“ Theorie ist meiner Meinung nach nur dann sinnvoll, wenn sie mit einer Anwendung verbunden wird, und der Schüler sie in der Zukunft auch wirklich gebrauchen kann.

      Ich hoffe, es ist somit ein bisschen klarer geworden🙂
      Liebe Grüsse,
      Dave

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