Menu Schließen

#2: Meine Kritik am Schulsystem 

Im letzten Artikel kritisierten wir unser Schulsystem. Kurz zusammengefasst: die Theorielastigkeit und den Praxismangel, schlechte Lernstrategien der Schüler, eine suboptimale Grundstimmung (Schule ist blöd), leidenschaftslose Lehrer, unmotivierte Schüler, nicht aktueller Stoff, und den Mangel an richtigen Pädagogen. Kritik ist nur der erste Teil und die Vorbereitung auf die Anwendung – der nächste Schritt. Den wollen wir nun gehen, indem wir einige Lösungsansätze präsentieren.  

Schüler schieben das Lernen aus einer tief eingesessenen Gewohnheit des Hinauszögerns bis-es-nicht-mehr-länger-geht, auf die lange Bank. Je länger man das Lernen verschieben kann, desto besser. Meistens wird erst am Vorabend angefangen, zu büffeln. Dadurch gelangt der Lernstoff ins Kurzzeitgedächtnis und die Prüfung fällt schlecht aus, weil man zu wenig Zeit hatte. 

Es wäre doch sinnvoller, den Stoff für die Prüfung fortlaufend zu lernen, und die Hausaufgaben rechtzeitig zu lösen. Dadurch würde das Lernen nicht nur weniger stressig ausfallen, man würde auch noch vom Effekt profitieren, den Stoff immer wieder zu repetieren. So würde die Lernpakete viel eher ins Langzeitgedächtnis gelangen. Ich bin mir bewusst, dass dies einfacher gesagt als getan ist. Lernen ist “blöd”, und die digitale Ablenkung viel ansprechender. Der Mensch wählt den Weg des geringsten Widerstands. Das heisst: zuerst das Vergnügen, dann die Arbeit. Gelernt wird nur unter Druck. Dieser wiederum kann nur durch Prüfungen aufgebaut werden. Lernen aus Interesse? Fehlanzeige.   

Gerhart Hüther, Neurobiologe, meint dazu:   

Den eigentlichen Schatz, den wir fördern müssten, ist die Begeisterung am eigenen Entdecken und Gestalten, das Tüftlertum, die Leidenschaft, sich mit etwas Bestimmtem zu beschäftigen. (…) Das Gehirn entwickelt sich so, wie man es mit Begeisterung benutzt.  

Philipp Mickenbecker, christlicher YouTuber, beschreibt in seinem Buch (hier geht’s zur Rezension davon) wie es für ihn als ehemaligen Homeschooler war, an eine öffentliche Schule zu wechseln. Bevor er zur Schule kam, lernte er aus Interesse. Prüfungen gab es bei ihm nie. Trotzdem war er, als er zur Schule kam, weit über dem Niveau seiner Mitschüler. Er schmuggelte, wie er erzählt, einmal sogar den Taschenrechner ins Bett, um dort aus Spass Rechnungen, die er im Kopf ausgerechnet hatte, zu überprüfen. Als er schlussendlich doch eingeschult werden musste, passierte etwas Interessantes: von einem Tag zum anderen verging ihm die Lust am Lernen. In der Schule muss also eine Atmosphäre herrschen, die den (meisten) Schülern die Lust zum Lernen raubt. Wo liegt das Problem?  

Schlechte, aber auch manchmal auch gute Noten sind beschämend und demotivierend. Nur der «Mittelgute» wird respektiert – eigentlich das Faultier. Hebt sich jemand durch bessere Lernstrategien (oder was auch immer) von den anderen ab, wird er sofort als “Streber” belächelt. Daher gilt nicht das Ideal, eine möglichst gute Note zu schreiben, sondern mit dem Minimum an Leistung das Maximum an Ergebnis rauszuholen.   

Hier die etwas idealistische Lösung: Wäre es nicht möglich, dem Banknachbar die gute Note zu gönnen, anstelle ihn zu beneiden, und dem anderen mit der schlechteren Note Hilfe anzubieten, anstelle sich hinter seinem Rücken über ihn lustig zu machen? 

Ein dritter Teil zu diesem Thema ist geplant. 

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.