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Die schärfsten Kritiker der Elche sind am Schluss selber welche

Nach den Ferien erwartete unsere Klasse einen neuen Biologielehrer. Wie so oft vor der ersten Unterrichtsstunde bei einem neuen Lehrer wurde nicht etwa gemutmasst, ob man bei dieser Lehrperson viel Interessantes lernen könne oder ob sie den Unterricht kurzweilig gestalten würde. Vielmehr hatte nur die Diskussion, ob man bei diesem Lehrer wohl gute Noten bekommen könne, die Kraft, meine Kollegen von ihren Games oder „wichtigeren Dingen“ abzulenken. Dazu gehört zum Beispiel der Disput um die richtige Ernährung für den perfekten Muskelaufbau.

Der Lehrer betrat (mit der obligatorischen Verspätung von zwei Minuten) das Klassenzimmer. Sogleich richteten sich alle Augen auf ihn. Nach einer kurzen Vorstellung begann er, seine Unterrichtsphilosophie zu erklären. Er werde oft Dinge gegen die katholische und reformierte Religion sagen, kündete er an. «Ihr dürft das einfach nicht persönlich nehmen», fügte er hinzu. Beifälliges Gemurmel wurde laut. «Doch», fuhr der Biologe mit strenger Stimme fort, «wenn es in diesem Raum Kreationisten (Kreationismus ist, wenn man den Lehren der Bibel über die Schöpfung glaubt) gibt, ist es mir egal, was sie denken. Gegen Kreationisten, diese Idioten, werde ich in meinem Unterricht schonungslos schiessen.»

Es ist eine traurige Tatsache, dass die Meinung meiner Kollegen über das Christentum sich auf solch undifferenzierte und defizitäre Bemerkungen gründet. Zeitungen und soziale Medien bestätigen dieses Klischee, wenn sie ein lächerliches Interview mit einem vollbärtigen alten Mann publizieren, der stur behauptet, dass Gott die Welt flach erschaffen habe. Schüler assoziieren mit dem Christentum vielleicht die Hexenverfolgung, die sich unter dem Deckmantel der Christenheit abgespielt hat. Oder Rassismus, die auf die biblische Geschichte von Ham zurückzuführen sei.  

Im Namen der Christenheit sind schreckliche Dinge passiert. Doch wurde die Bibel vielfach als Entschuldigung verwendet, um an Macht zu kommen. Diese Leute begründeten ihre bösen Motive durch die höchste Autorität dieses Universums. Es geht mir hier keineswegs darum, diese Dinge zu rechtfertigen oder kleinzureden. Doch es ist Fakt, dass in der Bibel zum Beispiel in keiner Stelle steht, dass ein Mensch mehr wert als der andere sei. Vielmehr wird zur Nächstenliebe aufgefordert und betont, dass alle Menschen vom gleichen Menschen abstammen. 

Dieses Phänomen, böse Motive unter deren Guten zu verstecken, ist auch in unserer Gesellschaft noch aktuell. Es gibt zum Beispiel Parteien, die das ursprünglich gottgegebene Motiv, unseren Planeten zu schützen, verwenden, um eine Art moderner Ablasshandel einzuführen. Man kann sich das gute Gewissen mit CO2-Steuern, teurem Strom oder dem Verzichten auf bestimmte Lebensmittel erkaufen. Dabei wurde nie direkt gesagt, dass man Geld in ihren Fond einzahlen solle, nein, ihre Absicht ist es, die Geldbeutel mit Manipulation zu öffnen: «I want you to panic. Our house is on fire.»

Zusammengefasst: Wir müssen zwischen dem, was die Bibel wirklich sagt, und den schrecklichen Taten, die in ihrem Namen geschahen, unterscheiden.

Und genau dadurch, dass unsere Kollegen diese beiden Dinge nicht auseinanderhalten, kommen sie schliesslich zur Schlussfolgerung, dass das Christentum eine wissenschaftsfeindliche, steinzeitliche Vorstellung sei, auf dessen Grundlage man schreckliche Taten vollbrachte. Die christliche Meinung geht über die Toleranzgrenze, die geschickt so abgesteckt wurde, dass sie nur für die eigene Meinung gilt. 

Somit darf dieser Lehrer auch im fortschrittlichen Zeitalter des 21. Jahrhunderts über Kreationalisten herziehen und sie so ausgrenzen. Dabei zeigen genau die Personen keine Toleranz, die sie bei anderen bis aufs Blut einfordern. Die schärfsten Kritiker der Elche sind am Schluss selber welche.

 

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